Das geheime Leben der Ohrwürmer

Die kleinen agilen Tierchen mit den zwei Zangen am Hinterleib fallen mir in diesem Jahr besonders auf. Sie sind in großer Zahl, tagsüber in Gruppen eng aneinander gedrängt, zwischen den Mangoldblättern zu finden. Zum ersten Mal nehme ich mir die Zeit, den Nutzen und die Schadwirkung der Ohrwürmer zu beobachten.

Ist er ein „Schädling“, ein „Nützling“ oder nur ein „Lästling“? Die ausgehöhlten Zucchini, die abgefressenen Blüten und der angeknabberte Mangold gehen eindeutig auf das Konto der Ohrwürmer, aber sie fressen auch die Gelege des Kartoffelkäfers und reduzieren den Schaden an unseren historischen Sorten spürbar.

Was wissen wir eigentlich über die Ohrwürmer? Sie sind Omnivoren, das heißt, sie ernähren sich von tierischer und pflanzlicher Nahrung zugleich. Ihre Mundwerkzeuge können nur weiches Gewebe bei Pflanzen durchdringen. Häufig fressen sie an bereits geschädigten oder befallenen Stellen. Bei Tieren haben sie es auf Beute abgesehen, die sich nicht wehren kann. Bevorzugt werden Blattläuse, Raupen, Puppen und Eigelege. Ohrwürmer verstecken sich am Tage und gehen in der Nacht auf Nahrungssuche. Dabei können von einem Ohrwurm bis zu 100 Blattläuse pro Nacht vertilgt werden.

Die Lebensdauer der bei uns heimischen und am häufigsten vorkommenden Art Forficula auricularia beträgt etwa ein ganzes Jahr. Besonders erstaunlich ist die intensive Brutpflege. Das Ohrwurmpaar überwintert gemeinsam in der Nisthöhle bis zur Eiablage im Februar. Das Weibchen kümmert sich dann um die Brut und säubert regelmäßig die Eier von Pilzsporen. Die geschlüpften Larven sind nach einiger Zeit auf sich gestellt und ähneln im Aussehen schon einem erwachsenen Tier. Ausgewachsen kann man sogar Weibchen und Männchen an den Zangen, den Cerci, unterscheiden. Die Männchen haben ausladende, gebogene Zangen, die Weibchen kleinere, gerade Zangen.

Diese braucht der „Ohrenzwicker“ zum Entfalten seiner Flügeldeckel und zur Einschüchterung eines Rivalen oder Räubers. Die Flügel sind dazu mehrfach unter den Flügeldeckel gefaltet. Wie ihre Verwanden, die Schaben und Heuschrecken, sind sie eher mäßig gute Flieger.

Wer die Ohrwürmer in seinem Garten ansiedeln und schützen möchte, kann z.B. in Obstbäumen umgedrehte Blumentöpfe aufhängen. Gefüllt mit Stroh oder Holzwolle, sind sie tagsüber ein attraktives Versteck. Zum Schutz vor Vögeln kann noch ein Drahtgeflecht unten angebracht werden. Wenn die Ohrwürmer im Gemüsebeet doch eher lästig werden, lässt sich diese Methode auch einfach zum Umsiedeln anwenden.

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